Konzept

DAS KONZEPT VON HAUS WALDFRIEDEN

Hier können Sie sich über das besondere Konzept von Haus Waldfrieden informieren und so lesen, was uns wichtig ist und wie wir unsere tägliche Arbeit gestalten. Gerne können Sie sich in der Praxis ein Bild von der Umsetzung des Konzeptes machen – Sie sind uns herzlich willkommen.

 

UNSER KONZEPT

DAS LEITBILD
„Dementspezifische Normalität“ Normalität bietet Verortung im Sinne von Geborgenheit und Sicherheit. Die übliche Normalität des Alltags bedeutet für demenzerkrankte aber eine stete Überforderung durch eine Komplexität an sensorischen und sozialen Reizen, die sie nicht mehr verstehen, einordnen und verarbeiten können. Die Lebenswelt dieser Menschen muss deshalb so gestaltet werden, dass sie ihrem Reaktions- und Verarbeitungsvermögen entspricht. „Der demenzspezifischen Normalität obliegt die Aufgabe, eine Lebenswelt zu schaffen, die alle Lebensaspekte der demenzerkrankten zu integrieren vermag: Bedürfnisse, Verhaltensweisen, lebensgeschichtliche Aspekte, kognitive Einbußen, die eingeschränkte Umweltkompetenz u.a.“ (Sven Lind)

Eine Haugemeinschaft ist eine pflegesatzfinanzierte, in einem gemeinsamen Haushalt lebende, überschaubare soziale Gruppe von acht bis 13 dementiell Erkrankten und/oder pflegebedürftigen älteren Menschen. Hausgemeinschaften ermöglichen, das Leben, das der Pflegebedürftige vor seinem Heimaufenthalt geführt hat, in größerem Umfang in das Pflegeheim zu übertragen, als dies bei den früheren Heimkonzepten der Fall war. „Hausgemeinschaften bilden den Alltag ab, sollen Indentifikation zulassen und eine Wohlfühl für den einzelnen Bewohner ausstrahlen.“ (KDA 2001) „Nur durch den konsequenten Abbau aller verzichtbaren zentralen Funktionsbereiche und durch die Verlagerung der notwendigen Funktionen unmittelbar zum Bewohner selbst hat das Prinzip Hausgemeinschaft eine langfristige, auch betriebswirtschaftlich sich rechnende Realisierungschancen.“ (Steuerberater Hans-Dieter Falkenberg)
Lageplan zugeschnittenHaus Waldfrieden liegt 500m vom Zentrum Halvers entfernt am Waldrand. Das Grundstück ist ca. 5.500qm groß. Es besteht im unteren Abschnitt aus zwei parallel liegenden Gebäudeteilen für 52 Bewohner in 48 Einzel- und 2 Doppelzimmer. Die Häuser sind in ihrer etwas länglichen Form der Höhenlinien des Grundstücks nachempfunden. Sie liegen sich gegenüber, so dass sie einen an zwei Seiten offenen zentralen Hof mit vielen Fenstern bilden. An den Häuserfronten gibt es viele Nischen und Vorsprünge mit Terrassen und Plätzen für Bänke. In Haus 1 Leben 18 Bewohner in zwei Hausgemeinschaften auf einer Ebene mit Ausgang zum zentralen Innenhof. Haus 2 ist zweigeschossig mit vier Hausgemeinschaften und 34 Bewohnern. Das Obergeschoss befindet sich mit dem Ausgang ebenfalls auf Höhe des Innenhofes. Aufgrund der Hanglage des Grundstücks führen die Ausgänge im Untergeschoss in einen extra Hof. Über ein flachgeneigtes Wegenetz überwindet man eine Geschosshöhe und gelangt in den zentralen Hof, in dem sich auch das Café befindet. An der Verwaltung vorbei schlängelt sich ein Weg zum oberen Gebäudeabschnitt. Hier wohnen bis zu 32 Senioren in drei übereinander angeordneten Hausgemeinschaften. Dank Hanglage hat jede dieser Hausgemeinschaften einen ebenerdigen Ausgang und eine Terrasse im Grünen. Die Terrassen sind durch ein Wegenetz verbunden. Die Bewohner können ohne Begleitung die Wege und Höfe nutzen. Mitarbeiter werden erst dann über das Sender-Empfänger-System informiert, wenn ein desorientierter Bewohner die Umlage am Ausgang zum Parkplatz verlässt. Der zentrale Lebensraum einer Hausgemeinschaft ist die Wohnküche. Die Zimmer und Funktionsräume sind an unterschiedlichen Stellen der fünfeckigen Wohnküche angedockt. Dadurch ergeben sich sehr vielfältige Positionen für Fenster, Flure und Eingänge. Auf diese Weise hat jede Gruppe ihre gestalterische Individualität. Farbliche Unterschiede werden nur bei pastelligen Gardienen- und Polsterfarben gemacht.
Räumliche Nähe durch Dezentralität: Anstelle der Anstaltsbaustruktur mit den bisherigen zentralen Versorgungsbereichen, in denen 50% der Mitarbeiter bewohnerfern tätig waren, wird hier eine kleinräumige Wohnungsstruktur für eine „Familie“ mit 8-13 Personen geschaffen. Dies erfolgt auf der Basis der Konzeption der räumlichen Nähe im Sine einer Verdichtung der Lebens- und Arbeitsvollzüge im öffentlichen Bereich. Die Funktionsräume sind die Wohnung autark nach dem Vorbild eines normalen Haushalts. Nach Lind besitzt das Ganze eine gewisse Natürlichkeit dahingehend, dass das soziale Milieu nicht ständig mittels sozialtherapeutischer Interventionen neu aufgebaut werden muss, sondern mittels der Raumnutzung schon vorgegeben ist.
84 Bewohner leben in neun Hausgemeinschaften mit 8-13 Bewohnern. Alle Hausgemeinschaften haben einen direkten separaten ebenerdigen Ein-/Ausgang in dementorientierte Außenanlage (Hof und Cafe, Wege um die Häuser). Zu einer Hausgemeinschaftgehört eine Wohnküche, daran liegend Speisekammer, Waschküche, Büro, an kurzen und breiten Fluren befinden sich die Zimmer (insgesamt nur 2 Doppelzimmer im unteren Abschnitt). Ein Pflegebad wird von jeweils zwei Hausgemeinschaften genutzt.
Die Anzahl der Mitarbeiter ergeben sich aus den Orientierungswerten für die Berechnung des Personalbedarfs in stationären Einrichtungen. Die ehemalige Pflegehilfsmitarbeiterinnen und die Mitarbeitenden aus den zentralen Versorgungsbereichen übernehmen die Funktionen der Präsenzkraft. Neben kurzeitig unterstützende Pflegehilfstätigkeiten deckt die Präsenzkraft die Tätigkeiten in der Hausgemeinschaft ab, die sich am Vorbild eines „normalen“ Haushalts orientieren und damit gewöhnlich und regelhaft anfallen. Zu nennen sind insbesondere das Zubereiten der Mahlzeiten, Spülen, Putzen, Einkaufen bzw. Lebensmittel bestellen, Wäschepflege, sowie das Abrechnen der Budgets. Die Präsenzkräfte strukturieren auf eingängige Weise den Tagesablauf einer Hausgemeinschaft und damit den ihrer Bewohner. Der Alltag erhält so Sinn, Reiz und Struktur. „Die Bewohnerschaft hat dank einer Fülle von belebenden, sinnstiftenden Abläufen und Verrichtungen innerhalb der Hausgemeinschaft viele Anknüpfungspunkte zu aktiver Teilnahme oder zumindest zu rezeptiver Teilhabe am Geschehen“ (KDA). Der Pflegedienstleitung (PDL) obliegt neben der Begleitung der Pflegeprozesse die Durchführung der Pflegevisiten sowie die Kontrolle der Pflegeplanung und Pflegedokumentation. Sie ist verantwortlich für das Erreichen der festgeschriebenen Pflegequalität sowie der entsprechenden Ablauforganisation. Die Hauswirtschaftsleiterin (HWL) verantwortet die hauswirtschaftliche Ablauforganisation in den Hausgemeinschaften. Dazu gehört auch Beratung in allen hauwirtschaftlichen Fragen, Kontrolle der Einhaltung hygienischer Standards und der bewohnerbezogenen Ernährungspläne. Der begleitende Soziale Dienst arbeitet ausgemeinschaftsübergreifend und sorgt zirkulierend für gezielte therapeutische Aktivitäten sowie für Veranstaltungen. Er kommt zu den Bewohnern. Das ganzheitliche Pflegebild mit seiner Klientenzentrierung bedingt, dass alle drei Berufsgruppen eng zusammenarbeiten. Schnittstellen werden gemeinsam geklärt. Die Pflegekräfte können sich auf die pflegerischen Kernprozesse konzentrieren. Sie sind auch im Nachtdienst tätig. Zu der dementspezifischen Normalität gehört nach Aussage des Gerontologen Sven Lind die verstärkte Einbindung der Angehörigen in das Heimgeschehen. Anstelle relativ passiver Anwesenheitsbesuche können sie oder auch ehrenamtlich Tätige für die Hausgemeinschaft z.B. Kaffee kochen, Kuchen backen oder Bratkartoffeln rösten, vorlesen, basteln u.v.m. Die notwenigen Beschäftigungsutensilien oder Haushaltsgeräte und Lebensmittel stehen ihnen selbstverständlich nach dokumentierter lebensmittelhygienischer Einweisung zur Verfügung.

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